Das Kaßberg-Gefängnis - ein dunkles Kapitel Chemnitzer Geschichte

Ein typisch grauer Tag im Herbst, nass und kalt obendrein – einfach ein Tag an dem man nicht vor die Tür möchte. Doch wir mussten! Wir hatten einen Termin. Einen Termin, der diesen eh schon grauen Tag unlängst noch trüber erscheinen ließ. Das Ziel? Eines der bekanntesten Gefängnisse Sachsens, früher jedenfalls! Hoch Oben thront es auf dem Kaßberg, hochgelobtes Nobelviertel unserer Stadt, der Knast also Schandfleck in der heilen Welt der damaligen Bewohner. Klar, hier siedelten sich die ehrenhaftesten Industriellen und Fabrikanten des ehemaligen sächsischen Manchesters an. Heute fragt keiner mehr nach dem Gefängnis, leer und nur durch einen Verein eisern am Leben erhalten, scheint sich das Umfeld daran gewöhnt zu haben.

Meter hohe Mauern, Wachtürme, Stacheldraht über Stacheldraht von dem der Regen tropft sowie ein großes Eisentor. Bizarre Situation, will man doch eigentlich nicht ins Gefängnis, wir aber können es kaum erwarten. Beim Durchschreiten erleben wir ein selten mulmiges Gefühl! Wir sind drinnen, wissen aber: wir können jederzeit gehen – ein Umstand der den einst nicht gerade wenigen zu Unrecht Inhaftierten verwehrt blieb. Zu Unrecht? Ja! Dieses Gefängnis erzählt eine dunkle Geschichte, düster und beklemmend bis ins Mark.

 

 

Besonders in der Zeit der Nationalsozialisten erlangte das Kaßberg-Gefängnis traurige Berühmtheit, gab es fast keinen einzigen Chemnitz Juden, der für seine Deportation nicht wenigstens einmal die „Schleuse“ zu jenem dunklen Ort durchqueren musste. Eine genaue Anzahl gibt es bis heute leider nicht, generell schweigen ehemalige Verantwortliche das Thema tot, so tot wie jene Juden die das nationalsozialistische Regime auf dem Gewissen hatte. Doch auch unter der Herrschaft des russischen Bruders, als Ostdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg schlicht per Mauer zum eigenen Staat erklärt wurde, veränderte sich die Situation kein Stück. Einziger Unterschied: man deportierte keine Gefangenen mehr. Nein, vielmehr verkaufte man die inhaftierten, meist politisch engagierten Insassen in den Westen. Die Bundesrepublik Deutschland kaufte einst rund 33.000 Häftlinge frei. Die eingenommenen Gelder verwendeten unsere sowjetischen Besatzer und deren Gefolge zum Sanieren des maroden DDR-Haushaltes.

Es fällt einem vor Ort schon schwer der beklemmenden Geschichte zu lauschen, gleichermaßen aber auch das „Gefühl von Angst“ vor Ort einzufangen, wenn einem bewusste wird: es ist eben nicht nur ein Gefängnis, sondern auch ein Ort der teilweise mit dunkelster Geschichte Deutschlands aufwarten kann!

Doch nun droht, offiziell gibt es natürlich Niemand zu, der Abriss. So setzt sich der Verein Lern- & Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. für den Erhalt des gesamten Komplexes ein, während sich der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- & Baumanagement (kurz SIB) als Besitzer vom Objekt befreien will und das trotz Denkmalschutzes. Auch eine dritte Partei mischt mit im Kampf um das Gefängnis, soll vor Ort eine Gedenkstätte errichtet werden. Allerdings umfasst auch Diese einen beinahe vollständigen Abriss, einzig 15 Meter Mauer und ein Wachturm sollen als Mahnmal erhalten bleiben.  

Einen bildlichen Eindruck unseres Besuches sowie den geschichtlichen Werdegang erhaltet ihr bald im folgenden Album.

 


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